Verunreinigtes Rost der Kläranlage in Rothenburg
Bild: Christoph Amstad
1/7 Verunreinigtes Rost der Kläranlage in Rothenburg Bild: Christoph Amstad
Durch dieses Abwasserrost gelangt Toilettenpapier in die Suhre
Bild: Markus Fischer
2/7 Durch dieses Abwasserrost gelangt Toilettenpapier in die Suhre Bild: Markus Fischer
Markus Fischer, Präsident des Fischereiverbandes Kanton Luzern, angelt Toilettenpapier aus dem Chärnsbächli in Rothenburg
Bild: Stefan Kämpfen
3/7 Markus Fischer, Präsident des Fischereiverbandes Kanton Luzern, angelt Toilettenpapier aus dem Chärnsbächli in Rothenburg Bild: Stefan Kämpfen
Markus Fischer, Präsident des Fischereiverbandes Kanton Luzern, angelt Toilettenpapier aus dem Chärnsbächli in Rothenburg
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4/7 Markus Fischer, Präsident des Fischereiverbandes Kanton Luzern, angelt Toilettenpapier aus dem Chärnsbächli in Rothenburg Bild: Stefan Kämpfen
Markus Fischer, Präsident des Fischereiverbandes Kanton Luzern, angelt Toilettenpapier aus dem Chärnsbächli in Rothenburg
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5/7 Markus Fischer, Präsident des Fischereiverbandes Kanton Luzern, angelt Toilettenpapier aus dem Chärnsbächli in Rothenburg Bild: Stefan Kämpfen
Im Chärnsbächli Rothenburg schwimmt Toilettenpapier, dass von der Kläranlage nicht gefiltert wurde
Bild: Stefan Kämpfen
6/7 Im Chärnsbächli Rothenburg schwimmt Toilettenpapier, dass von der Kläranlage nicht gefiltert wurde Bild: Stefan Kämpfen
Im Chärnsbächli Rothenburg schwimmt Toilettenpapier, dass von der Kläranlage nicht gefiltert wurde
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7/7 Im Chärnsbächli Rothenburg schwimmt Toilettenpapier, dass von der Kläranlage nicht gefiltert wurde Bild: Stefan Kämpfen
09.05.2019 18:00

Schweinerei bei Kläranlagen: Fischer schlagen Alarm

Die Bilder und Videos vom Fischereiverband des Kantons Luzern sind unappetitlich: Watte und Toilettenpapier, die sich in ufernahen Sträuchern verfangen haben sowie Binden und Zigarettenschachteln, die im Wasser schwimmen. Luzerner Fischer beklagen sich über unhaltbare Zustände bei Kläranlagen nach starken Regenfällen. Kanton und Gemeinden sind jetzt gefordert.

An der Delegiertenversammlung des Fischereiverbandes Kanton Luzern (FKL) wurde ein längst überfälliges Thema diskutiert. Nach Regenfällen gelangt Abwasser der Kläranlagen ungehindert in Flüsse wie die Suhre, den Würzenbach oder das Chärnsbächli in Rothenburg. Schuld daran sei das sogenannte «Mischsystem», mit dem etwa 70 % des Siedlungsgebietes entwässert wird. Im Mischsystem werden Regen- und Abwasser in denselben Leitungen abtransportiert. Bei intensiven Niederschlägen können viele Kläranlagen das Abwasser nicht mehr reinigen. Die Regenbecken überlaufen und die Überlastmenge an kontaminiertem Wasser läuft direkt in Flüsse und später in den See. In der Stadt Luzern regnet es im Mittel rund 1'200 mm pro Jahr, was einer Regenmenge von 1'200 Liter Wasser oder sechs Badewannen pro Quadratmeter Fläche entspricht. Bedenkt man zudem, dass die Stadt Luzern zirka 50 Prozent seines Wasserbedarfs aus dem See bezieht, lösen die gemachten Vorwürfe unangenehme Gefühle aus. Das sieht auch FKL-Präsident Markus Fischer so, den wir zum Abfluss der Abwasserreinigungsanlage Rothenburg begleiten, der in das Chärnsbächli fliesst. Der Gitterrost wurde zwar inzwischen von der Gemeinde gereinigt und trotzdem fand Fischer binnen Sekunden Toilettenpapier, das er von Hand aus dem Wasser pflückt. Als weiterer Beweis führt er ein Beispiel vom letztjährigen Hitzesommer aus. «Während der Trockenperiode holten das Amt für Landwirtschaft und Wald und die hiesigen Fischpächter 300 Forellen aus dem Bach und siedelten sie um. Alle Fische wurden aus dem oberen Teil des Bachs gefischt, bevor er sich mit dem Abwasser vermischt.» Die Lösung läge gemäss Fischer bei der Umsetzung eines Trennwassersystems, das Regen- und Abwasser voneinander getrennt abführt. Er zeigt auf die Regenwasserrinnen der angrenzenden Gebäude. «Sauberes Regenwasser sollte direkt in den Bach gelangen und nur noch Abwasser in die Kläranlagen geleitet werden.» 

«Slipeinlagen schwimmen wie Surfbretter»

Mit dem gleichen Problem kämpft auch Urs Mühlemann, einer der Fischpächter des Würzenbachs, der im letzten Jahr 21 Verunreinigungen dokumentieren konnte. Bei heftigem Regen läuft das Wasser über die Tauchwände der beiden Überlaufbecken in Udligenswil und tritt 50 bis 60 Meter weiter unten wieder aus. «Alles was schwimmen kann, bleibt in den Stauden hängen. Das sieht man vor allem nach Rückgang des Wassers.» Für Fischer wie für Mühlemann ist klar, dass die Gemeinden und der Kanton die Kläranlagen besser ausbauen müssten. Gemäss Amt für Umwelt und Energie des Kantons Luzern (UWE) liegt das Problem bei der fortlaufenden Anpassung und Erneuerung der Entwässerungsnetze. «Die Kläranlagen werden gemäss den aktuell gültigen Richtlinien auf die doppelte Abwassermenge ausgelegt, die bei trockenem Wetter anfällt. Die Entwässerungsnetze und die Kläranlagen auf hohe Regenabwassermengen umzumodeln, wäre wirtschaftlich nicht verhältnismässig und würden dem im Recht verankerten Wirtschaftlichkeitsgebot widersprechen», so Hans-Eugen Musch vom UWE. Man sei daran, das Problem schrittweise zu lösen, denn Massnahmen zur Verminderung von Entlastungen können aus vielfältigen Gründen selten kurzfristig umgesetzt werden. Für Markus Fischer geht der Prozess zu langsam vonstatten. Er weist auf ein Schreiben des Gemeindeverbands für Abwasserreinigung Surental und der Stadt Sursee hin, in dem steht, dass bis im Jahr 2030 25 % der Mischsystemfläche und bis im Jahr 2060 75 % der Mischsystemfläche im Einzugsgebiet der ARA Surental ins Trennsystem ungestellt werden. Als Grund für solch eine lange Zeitspanne macht das UWE die technische Lebenserwartung der Kanalisationen und die Kosten geltend. «Bei vielen Gemeinden sind Massnahmen in Millionenhöhe für die Verbesserung der Situation notwendig», so Hans-Eugen Musch vom UWE. Für die luzerner Fischer ist schnelleres Handeln notwendig. Sie fordern die kantonale Verwaltung und die Gemeinden auf, hinzustehen, das Problem beim Namen zu nennen und rasch zu handeln. Für Markus Fischer ist klar: «Als Privatperson würde man bei solch gravierenden Gewässerverschmutzungen belangt. Hier, wo der Kanton, ganze Talschaften und die Bevölkerung betroffen sind, schaut man einfach grosszügig hinweg und niemand wird gebüsst.» Immerhin scheint trotz der Mikroverunreinigungen von z.B. Kolibakterien keine Gefahr für Mensch und Tier auszugehen. Zumindest, wenn man dem UWE Glauben schenken will. «Ein Grossteil der Verunreinigungen ist biologisch abbaubar, es kommt in der Regel nicht zu akuten Auswirkungen wie z.B. einem Fischsterben», erläutert Musch und führt weiter aus: «Im 2018 wurde die Badewasserqualität an allen Messstellen als gut bis sehr gut beurteilt.» Angesichts der bevorstehenden Badesaison bleibt nur zu hoffen, dass sich die Mühlen der Verwaltung schnell drehen mögen…

Stefan Kämpfen