Hacker finden immer wieder neue Varianten, Menschen zu erpressen.
fotolalia
1/1 Hacker finden immer wieder neue Varianten, Menschen zu erpressen. fotolalia
21.04.2019 14:00

Gehackt und erpresst

Lieber Ratgeber

Ich und meine Frau erhielten innert drei Monaten mehrere Mails, unterzeichnet von einem anonymen Hacker. Er schreibt uns, dass er auf einer Porno-Website, die wir angeblich besucht hätten, eine Malware installierte und so unsere persönlichen Daten sammeln konnte. Ausserdem sei er im Besitz eines Videos, die uns bei Liebesspielen zeige. Dieses Video will er öffentlich machen, wenn wir ihm nicht 2000 Euro in Bitcoin zahlen. Eine Porno-Website haben ich und meine Frau nie besucht. Doch haben wir Angst, dass uns tatsächlich jemand heimlich gefilmt haben könnte. Aus diesem Grund überwiesen wir 2000 Euro. Doch die Erpressungen hören nicht auf. Was sollen wir tun?

Bernd R.

Sehr geehrter Herr R.

Als erstes raten wir Ihnen, keine Zahlungen mehr zu tätigen. Bei den von Ihnen beschriebenen Erpressermails handelt es sich um Fake-Sextortion. Diesbezüglich wurden wir bei der Melde- und Analysestelle Informationssicherung (MELANI) des Bundes fündig. Sie verweist auf die Website www.sextortion.ch, die vor zwei Monaten von den Behörden lanciert wurde. Auf dieser wird ausführlich über die Betrugsmasche «Fake-Sextortion» informiert. Wir geben wieder: «Mittlerweile werden diverse andere Varianten beobachtet: So werden auch Mobilfunknummern verwendet, um das Opfer zu überzeugen, dass das Mobiltelefon kompromittiert worden sei. In einer anderen Variante wird als Beweis, dass das E-Mail-Konto kompromittiert worden sei, die Nachricht scheinbar mit der eigenen Mailadresse versendet. In Tat und Wahrheit ist der Absender jedoch gefälscht, was sehr einfach und ohne grosse Kenntnisse gemacht werden kann. Eine Unterart dieses Phänomens sind gefälschte Erpressungen mit Androhung eines Säure- oder Bombenanschlags. Bei beiden Varianten sollten Bitcoins bezahlt werden, um den Anschlag zu verhindern. Erpresser-E-Mails werden in mehreren Sprachen versendet, darunter auch Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch.»  Leider haben sich von den Erpresser-Mails schon zahlreiche Personen aus der Schweiz einschüchtern lassen und tausende von Franken bezahlt.

Kein Lösegeld bezahlen!

Gemäss sextortion.ch dürfte die Ursache, wieso so viele Leute das geforderte Lösegeld bezahlen darin liegen, dass gerade Personen, die tatsächlich Pornographie konsumieren, sich schämen und sich durch solche Erpressungsversuche verängstigen lassen. Solange die betroffenen Empfänger allerdings nicht aufhören, Lösegeld zu bezahlen, wird diese Masche befeuert und es wird erwartet, dass diese Wellen weitergehen, dass Nachahmungstäter auf den Zug aufspringen und die Anzahl noch weiter zunehmen wird. sextortion.ch rät deshalb: «Zahlen Sie unter keinen Umständen ein Lösegeld.»

Was tun?

Die in den E-Mails vorhandenen Bitcoin Adressen können Hinweise auf die unbekannte Täterschaft liefern. Mit der Weiterleitung solcher Erpressungs-Mails an reports@stop-sextortion.ch helfen Sie mit, die Ermittlungen zu unterstützen. Die von Ihnen gemeldeten E-Mails werden vertraulich behandelt und an die zuständigen Behörden weitergeleitet. Sie können die E-Mail anschliessend ignorieren und löschen. Sollten Sie weiterführende Ermittlungen wünschen, insbesondere, wenn sie einen finanziellen Schaden erlitten haben, ist eine Anzeige bei Ihrer Kantonspolizei notwendig. sextortion.ch unterstreicht: «Reagieren Sie nicht auf solche E-Mails. Wenn Sie das im E-Mail genannte Passwort weiterhin irgendwo verwenden, ändern Sie es dort dringend. Es wird empfohlen, dass Sie Ihre Passwörter regelmässig ändern und nicht das gleiche Passwort für mehrere Internetdienste verwenden.»

Wir hoffen, Ihnen mit den aus www.melani.admin.ch und www.sextortion.ch wiedergegebenen Inhalten geholfen zu haben.

Fragen an den Ratgeber:

redaktion@luzerner-rundschau.ch oder Redaktion Luzerner Rundschau, Ratgeber, Obergrundstrasse 44, 6003 Luzern