Warum Olga wiederkam
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Geschäftsinhaberin Angelina Bucheli (links)  und Mitarbeiterin Katarina Huber.
Bild: z.V.g.
3/10 Geschäftsinhaberin Angelina Bucheli (links) und Mitarbeiterin Katarina Huber. Bild: z.V.g.
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11.07.2019 11:00

Warum Olga wiederkam

Schau, zu dieser Culotte passen doch diese schönen Söckli! – Ach so ja, du wolltest meine Geschichte hören.

Warum bin ich Modeberaterin, möchtest du wissen? Da frage ich dich zuerst einmal: Wie überlebt eine Modeboutique in der heutigen Welt? Seit Jahren brechen die Umsätze ein. Die grosse Konkurrenz: das Internet.

Zalando & Co. bieten nicht nur eine riesige Auswahl an Kleidern rund um die Uhr, sie geben einem das traurige Gefühl, dass du den immer höheren Ansprüchen nie genügen kannst. «Im Internet hat es dieses Shirt aber in dieser Farbe.» «Der Versandhändler nimmt meine Kleider immer zurück.»

Zuerst kaufen, dann wieder zurückgeben. Was da abgeht, ist extrem. Ich bin Angelina Bucheli, Inhaberin von MC STORE. Ich erinnere mich genau an jenes einschneidende Erlebnis. Eine Kundin wollte sich ihren Wintermantel nach fünf Wochen in bar auszahlen lassen. «Er gefällt mir nicht mehr.» Ich wehrte mich. «Das tut mir Leid, aber dazu haben Sie kein Recht.» Nach einigen Tagen kam sie wieder zurück. «Ich habe das abklären lassen. Sie müssen ihn zurücknehmen.» Obwohl das nicht stimmte, gab ich nach. Und ich dachte: Wie sich doch die Gesellschaft verändert hat. Mir wurde schlagartig bewusst, dass nichts mehr so sein wird wie früher.

Nachgeben schon, aber aufgeben war nie ein Thema. Trotz allem. Etwas trägt mich in dieser schwierigen Zeit. Mich und meine Boutique, die es seit bald 50 Jahren gibt und sich damit die älteste in Luzern nennen kann.

Eines Tages kam Olga* – nein Olga, du kommst später – zuerst erzähle ich von Petra und Eva. Petra, sehr gross, 1.87 Meter. Eva, mollig und klein.

Beide suchen eine schicke Hose. Beiden gefällt dasselbe Modell. Es kommt so, wie es kommen muss: Am Ende stecke ich bei der einen die Hose ab und bei der anderen wieder an. Direkter Transfer! Es gibt ja so viele Hosen mit Aufschlägen, da funktioniert das bestens. Oder der Mantel ist zu kurz. Der wird verlängert. Ich gehe den passenden Stoff dazu suchen. Was ich alles mache! Wenn Mode dein Leben ist, hast du immer Ideen für glatte Änderungen, und die Kundinnen haben den Plausch. Besonders «Randgrössen» wie Petra und Eva zeigen sich mir jeweils so dankbar!

1:1 gegen das Internet

Aber lohnt sich das? Das Thema mit dem Internet ist ja gerade, dass viel Ramsch für die Masse produziert wird. Die Hose passt nicht, die am Model so perfekt aussah, die Bluse ist wie ein Sack und der Stoff fühlt sich billig an. Das heisse Shirt für den Sentimental Day geht doch nicht mit dem Jäckchen aus dem Schrank, und die bewährte Handtasche ist wie eine Faust aufs Auge.

Dann gehen die Internet-müden Frauen wieder mal in eine Boutique, damit sie die Kleider anfassen und anprobieren können. Damit sie sich nicht wie eine Nummer fühlen. Damit sie einen ganzen Look haben, der sie kleidet. Damit sie nach dem Blick in den Spiegel ihre Kleider mit Freude bezahlen können. Aber wie viele Boutiquen gibt es, in denen nicht einfach verkauft, sondern wo die Kundinnen wirklich gekleidet werden? Olga weiss genau, was ich meine.

Olga kennt inzwischen meinen höchsten Wert, den ich ausleben und teilen möchte: Meine Leidenschaft für Menschen, für Mode, Formen und Farben. Ja, es lohnt sich. Leidenschaft lohnt sich! Deshalb bin ich Modeberaterin!

Mein Angebot besteht aus Kleidern und aus Gefühlen. Ich lasse mich gerne von meinen Kundinnen fordern. Und ich gebe ihnen alles, denn ich möchte mit ihnen tanzen! Hin und her laufe ich zwischen Kleiderständer und Garderobe und Kleiderständer, führe sie vor den Spiegel und wieder zurück zur Garderobe. Ich helfe und berate und kleide sie nach Typus und Mode. Wenn sie sich danach sehnen, diene ich mit verrückten Kleidern (mein Schaufenster ist stadtbekannt!). Das ist meine Leidenschaft. Und das ist meine Kreativität. So erlebe ich Inspiration von Mensch zu Mensch. Jeden Tag neu.

2:1 gegen das Internet

Aber nein. Nein! Du verlässt meine Boutique nicht «wie verwandelt»! Selbst wenn du mal einen anderen Style ausprobierst. Im Gegenteil: die Kleider tragen nach aussen, was du bist. Sie unterstreichen deine Einzigartigkeit, sie zeigen, wer du bist. Nicht mehr und nicht weniger.

Wirklich gut bedienen heisst deshalb ganz und gar nicht, der Kundin stereotyp zu bestätigen: «Das steht Ihnen super.» Ich bin da sehr direkt und ehrlich, wenn etwas nicht stimmt, selbst wenn ihr das Stück gefällt. Einmal zwängte sich eine Frau in Hosen hinein und besah sich stolz im Spiegel. Da sagte ich zu ihr: «You look like a sausage!»

Gute Kleider sind geschmeidig und gefügig, gefällig und geliebt – wie eine zweite Haut. Aber Achtung: Nicht wie die einer Wurst! Darauf blickte sie mich mit grossen Augen an, kaufte die Hose und verliess die Boutique. Eines Tages kam sie wieder, strahlte mich an und sagte: «Sie ist geplatzt!» Das war Olga. Olga gehört seither zu meinen besten Kundinnen.

*alle Namen geändert

Und 3:1 gegen das Internet

Angelina Bucheli

Mc Store, Luzern

www.mcstore-luzern.ch